Dankbarkeit

Nicole ist dankbar

Es geht weiter! Heute habe ich Nicole von StreifenLiebe zu Gast. Auf ihrem Blog lässt sie uns an ihrem Leben teilhaben und zeigt ihre Liebe zum Detail. StreifenLiebe beschreibt sie als ihr eigenes, kleines Zuhause im WWW und das finde ich wirklich schön gesagt. Eine besondere Freude macht sie mir immer, wenn sie so tolle Inspirationssprüche auf Instagram postet. Das mag ich total gerne.
Liebe Nicole, vielen Dank für deinen tollen und sehr persönlichen Text! Ich hoffe, dass wir uns auch bald persönlich kennenlernen!

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Als Steffi mich einlud, einen Gastpost zum Thema „Dankbarkeit“ zu schreiben, sagte ich spontan zu. Zum einen, da ich Steffi (die ich leider nicht persönlich kenne) und ihren Blog sehr mag, zum anderen, weil ich sofort wusste, über was ich schreiben möchte.
Ich bin ein sehr dankbarer Mensch. Ich sage sehr gerne und immer Danke (auch für Selbstverständlichkeiten). Ich halte Dankbarkeit für eine große Kraft, die viel Freude schenken kann: dem, der Danke sagt und dem, der den Dank empfängt. Kurzum: Dankbarkeit macht glücklich.
Ich bin für sehr vieles in meinem Leben dankbar: für meinen wundervollen Ehemann, der mich über alles liebt und mich zu einem besseren Menschen macht, für meine kleinen Pelzigen, die mir so viel Liebe schenken und mein Leben ungemein bereichern, für… Alles aufzulisten, würde definitiv den Rahmen des Beitrags sprengen, deswegen möchte ich mich jetzt und hier auf eine Sache beschränken: meinen Blog „StreifenLiebe“.
Im Privatleben bin ich sehr schüchtern, nicht unscheinbar, aber sehr zurückhaltend und introvertiert; ganz sicher nicht der strahlende Mittelpunkt einer Party. Ich bin einfach kein Entertainer, das liegt nicht in meiner Natur. Geschichten aus meinem Leben zu erzählen oder es einfach nur öffentlich zu dokumentieren – bis vor über einem Jahr ein „Ding der Unmöglichkeit“ für mich. Aber dann – im Grunde von heute auf morgen – änderte sich mein Leben und ich hatte plötzlich den Mut, meinen eigenen kleinen Blog zu starten.
Und jetzt, über ein Jahr später, kann ich sagen: Ich bin ich unendlich dankbar dafür, dass es meinen Blog gibt. Dass ich vor über einem Jahr den Mut gehabt habe, StreifenLiebe ins Leben zu rufen. Mein Blog hat mein Leben bereichert und in einer gewissen Weise auch positiv verändert:

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1) Ich bin offener geworden. Streifenliebe hilft mir ungemein dabei, mich anderen Menschen gegenüber zu öffnen. Am Anfang hatte ich viele Zweifel und große Angst davor, dass andere Menschen meine „privaten“ Texte (letztlich: meine Gedanken) lesen werden und dass sie sie so furchtbar finden, sodass sie nie wiederkommen. Aber das ist nie passiert. Meine Zweifel und die Angst waren unbegründet. Das genaue Gegenteil ist passiert – und das zeigt mir, dass ich mir selbst ruhig ein wenig mehr zutrauen kann.
Ich habe durch StreifenLiebe wunderbare Menschen „kennengelernt“ und es haben sich tolle Bloggerfreundschaften entwickelt – etwas für das ich sehr dankbar bin. Es ist wunderbar, dass ich durch Streifenliebe die Möglichkeit habe, immer wieder neue wunderbare Menschen „kennenzulernen“, die ähnliche Gedanken, Ängste und Wünsche haben wie ich. Das ist wirklich fabelhaft!
2) Ich bin mutiger geworden. Ich zeichne und fotografiere schon lange sehr gerne. Aber am Anfang habe ich mich nicht recht getraut, meine eigenen Fotografien und Zeichnungen anderen zu zeigen. Aber mit der Zeit habe ich aber immer mehr meiner eigenen Fotos und sogar meine kleinen (unbeholfenen) Sketchnotes auf StreifenLiebe veröffentlicht und fühle mich heute sehr, sehr wohl damit.
3) Auf StreifenLiebe – einem öffentlichen Raum – kann ich total ich selbst sein. Ich denke normalerweise immer viel zu sehr darüber nach, was andere denken, passe mich (soweit ich es für richtig halte) an und sorge immer dafür, dass sich andere wohlfühlen, auch wenn das manches Mal bedeutet, dass ich mich unwohl fühle. So bin ich einfach und das im Leben 1.0 zu ändern, fällt mir teilweise recht schwer. Aber auf StreifenLiebe habe ich diese Einschränkungen nicht: Ich schreibe über das, was ich möchte und ich zeige die Bilder, die ich möchte.
StreifenLiebe ist kein Teil eines Wettbewerbes, ich muss mich nicht mit anderen vergleichen (lassen), auch wenn genau das natürlich gerade in den ersten Monaten meines „Bloggerdaseins“ passiert ist. Aber ich habe das (glücklicherweise) überwunden und verstanden, dass StreifenLiebe nie so erfolgreich sein wird wie so mancher Profiblog – und dass nicht, weil StreifenLiebe „schlechter“ ist, sondern einfach nur, weil StreifenLiebe genau das nicht ist: ein Profiblog mit (ungeheuer viel) Mehrwert für die Leser. StreifenLiebe ist schlicht und ergreifend „nur“ mein kleines Zuhause im WWW mit Geschichten aus meinem Leben – nicht mehr, aber auch nicht weniger.
Für all‘ das (und noch mehr) bin ich unendlich dankbar!

Nachwort: Alle zwei Wochen habe ich mir einen anderen Blogger mit einem neuen Dankbarkeitstext eingeladen. Also schaut wieder vorbei.

Sunray ist dankbar

Nun ist es soweit: Die liebe Sunray ist da und will euch an ihrer Dankbarkeit teilhaben lassen. Ich freue mich ganz besonders, dass sie dabei ist! Leider habe ich auch sie noch nicht persönlich treffen dürfen, aber ich hoffe sehr, dass sich das bald ändern wird. Durch ihre liebe Art hat sie mich schon lange in ihren Bann gezogen. Sie hat immer ein offenes Ohr und auch ein paar liebe und motivierende Worte parat. Als ich ihren Text gelesen habe, wurde mir ganz warm ums Herz, denn ich habe mich darin so gut wieder erkannt und dafür bin ich dankbar!
Auf ihrem Blog Theorganizedcardigan.de schreibt sie darüber, wie sie ihr Leben organsiert und ihre Liebe zu Strickjacken – und das macht sie direkt noch mal sympathischer. Also schaut auf jeden Fall mal bei ihr vorbei.

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Dankbar für die kleinen Dinge im Leben

Besondere Büroklammern-Sammlung

Als Steffi mir die Fragen für Ihre Dankbarkeitsreihe stellte, wofür ich im speziellen dankbar bin und was Dankbarkeit für mich bedeutet, sprudelten mir gleich viele Sachen durch den Kopf.
Ich bin für viele Dinge in meinem Leben dankbar: Für die „großen“ Dinge, wie Gesundheit, Familie, FreundE, Ausbildung, Arbeit, usw.
Aber auch für die „kleinen“ Dinge im Leben bin ich dankbar, und um die soll es heute gehen.

Ich bin ein recht aufmerksamer Mensch, dem oft die Details auffallen. Manchmal ziehen mich Freunde deswegen auf, weil mir natürlich auch Sachen auffallen, die eben nicht auffallen sollen. Manchmal verursachen all die Eindrücke, die ich wahrnehme, auch einen ziemlichen Lärm in mir.
Aber meistens machen mich all die vielen kleinen Dinge, die mir auffallen, glücklich:

Der Schmetterling, der in der Stadt über die wartende Traube von Menschen an der roten Ampel hinwegflattert.

Eine bunte Büroklammer, die auf dem Bürgersteig ihren Weg zu mir und in meine „Besondere Büroklammern-Sammlung“ findet.

Wenn mir eine Freundin aus Berlin einen kleinen Umschlag mit Teebeuteln schickt, weil ich erkältet bin.

Wenn meine Orchidee, die ich vor vier Jahren von einer ehemaligen Arbeitskollegin geschenkt bekommen habe, und die vor vier Jahren auch das letzte Mal geblüht hat, auf einmal wieder Knospen bekommt.

Die Nachbars Katze aus dem Fenster beobachten zu können, während sie auf der Hausmauer herumschleicht und wer weiß was im Schilde führt.

Über das flauschige Innenfutter meiner Kapuzenjacke.

Schöne Farbzusammenstellungen und Verpackungen machen mich glücklich.

Einer Fremden im Bus ein Taschentuch anbieten, weil sie heimlich weint.

Wenn mir ein Kollege ein Glas aus der Küche mit an meinen Arbeitsplatz bringt, obwohl ich ihn gar nicht darum gebeten hatte, wenngleich ich eins brauchte.

Wenn Worte richtig ausgewählt werden.

Stille.

Ich brauche keine großen „Events“, über-teure Geschenke, ständig große Gefühle. Ich mag es still, klein und leise.
Ich bin dankbar dafür, dass das so ist.
Und ich bin dankbar dafür, dass ich diese stillen, kleinen Dinge bemerke, auch wenn die Welt um mich herum immer schneller, höher, lauter wird.

Nachwort: Alle zwei Wochen habe ich mir einen anderen Blogger mit einem neuen Dankbarkeitstext eingeladen. Also schaut wieder vorbei.

Frau Heldin ist dankbar

Heute habe ich die liebe Frau Heldin zu mir auf den Blog eingeladen. Sie bloggt auf www.FrauHeldin.de über heldenhafte Sachen aus ihrem Leben. Ich habe auf Instagram mal dafür plädiert, dass jeder eine Frau Heldin braucht, denn sie hat heldenhafte Geschenkideen, z.B. ein Glas mit Motivationssprüchen zu verschicken. Wie toll ist das bitte? Heldenhaft toll. Es zeigt einfach ihr großes Herz und ihre liebe Seele. Und deshalb schaut unbedingt auf ihrem heldenhaften Blog vorbei.

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„Dankbarkeit.

Als mich die liebe Steffi gefragt hat, ob ich einen Beitrag zum Thema “Dankbarkeit” für sie schreiben möchte, war ich sofort Feuer und Flamme.
Dankbarkeit, ein großes Wort und tolles Thema. Da schreibe ich doch ganz einfach einen Gastbeitrag. Ganz einfach? Pustekuchen. Habe das Wort Dankbarkeit getippt. 11 Buchstaben mit einer wirklich großen Bedeutung. Und dann saß ich erstmal 11 Tage vor einer leeren Seite, die mich mit ihrem unerträglichen weiß anstarrte.

Was bedeutet Dankbarkeit in der heutigen Welt überhaupt noch?
In meinen Augen ist Dankbarkeit ein riesengroßes Gefühl, ein Gedanke und eine zugehörige Emotion. Etwas womit man nicht leichtfertig umgehen darf. Und genau an diesem Punkt stocke ich. Wie oft habe ich in den letzten 24 Stunden “Danke” gesagt. Wie viele Male habe ich es wirklich so gemeint und wie oft war es vielleicht einfach so dahin gesagt. Weil das Wort zur Höflichkeit gehört und sich wie von selbst in meinem Wortschatz eingegliedert hat.
Auf der anderen Seite sage ich auch oft Danke und habe das Gefühl, dass dieses eine Wort ganz und gar nicht ausreicht, um wirklich auszudrücken was ich fühle. Wie kann es also sein, dass ein einziges Wort ein riesengroßes Gefühl beherbergt und in meinen Augen ganz und gar nicht ausdrücken kann, was ich wirklich fühle.

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Denn in den letzten Tagen war ich sehr häufig dankbar.
Dankbar, für diejenigen die mich in meinen düsteren und gedankenvollen Stunden ertragen haben. Dankbar, für diejenigen, vor denen ich meine innersten Gefühle auspacken und Revue passieren lassen durfte, um meine Gedanken nicht nur vor meinem inneren Auge haben zu müssen. Dankbar, für diejenigen die mich deswegen nicht super grässlich fanden sondern mir gut zureden konnten. Dankbar, für diejenigen, die die Kraft hatten, wenn sie mir fehlte, mich wieder auf den rechten Pfad zurück zuschubsen. Dankbar, für diejenigen, die mich noch mochten, während ich im Treibsand des Selbstzweifels versank.
In den letzten Tagen habe ich sehr häufig “nur” DANKE gesagt – das Gefühl dahinter war jedoch so groß, wie schon lange nicht mehr.

Ich bin froh, dass ich Menschen in meinem Leben habe, denen ich dankbar sein kann, für die Momente, die Zeit und die Worte, mit denen sie mir stets zur Verfügung stehen. Es ist ein tolles Gefühl, dass ich danke sage und das Gefühl habe, dass es nicht reicht was ich ausspreche und gleichzeitig die Antwort auf Danke meist “Dafür nicht.” war. Danke, für den Halt. Danke, für’s da sein.

Danke, für’s Lesen,
Eure FrauHeldin“

Nachwort: Alle zwei Wochen habe ich mir einen anderen Blogger mit einem neuen Dankbarkeitstext eingeladen. Also schaut wieder vorbei.

Nele ist dankbar

Heute ist Nele von Bunt, gestreift und hüpfig zu Gast bei Hauptsache Meer. Nele habe ich beim Bloggen mit Herz-Workshop letztes Jahr im September kennengelernt. Mit ihr habe ich das Zimmer geteilt, viel erzählt und viel gelacht. Es war also ein durchweg positives Kennenlernen und so freue ich mich schon sehr auf unser nächsten Treffen!
Nele ist genau so, wie sie ihr Blogtitel beschreibt: Bunt, gestreift und hüpfig. Herrlich! Auf ihrem Blog erzählt sie von ihrem bunten Alltag, von gestreiften Büchern und hüpfigen Basteleien – schaut mal vorbei!

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Dankbarkeit – dieses Gefühl verspüre ich häufig. Am häufigsten beim Nachrichten schauen oder lesen. Ich sitze dann auf meinem gemütlichen Sofa im geheizten Wohnzimmer, noch satt vom Abendbrot, der allerbeste Ehemann von allen neben mir, und sehe: Boote voller Flüchtlinge treiben auf dem Mittelmeer. In Afrika verhungern Kinder, sterben Menschen an Ebola oder werden Homosexuelle brutal verfolgt. Im Nahen Osten fallen Bomben, und in Frankreich sprengen sich Selbstmordattentäter in die Luft. In den USA gibt es Menschen, die nicht zum Arzt gehen – weil sie es sich nicht leisten können. Und in China kann man die Luft genauso wenig atmen, wie man seine Meinung frei äußern kann.

Wie sollte ich all diese Nachrichten aufnehmen, ohne Dankbarkeit zu verspüren? Jedes Mal denke ich mir dann: Gut, dass wir geboren sind, wo wir geboren sind. Was für ein unfassbares Glück. Das ist ja nun keine Leistung von uns, die meisten von uns haben nichts dafür getan – es ist einfach nur ein riesiger Zufall, und ich bin so dankbar, dass ich in diesem Land geboren bin, in dem niemand um sein Leben fürchten muss. In dem ich meine Meinung sagen kann, wenn es mir passt. In dem ich lieben kann, wen ich möchte. In dem ich zum Arzt gehen kann, wenn ich krank bin. In dem ich zur Schule gehen und mehr oder weniger kostenlos studieren konnte, auch als Mädchen. Ein Land, in dem ich Rechte habe und ein Dach über dem Kopf, immer satt werde und die meisten meiner Probleme als Luxusprobleme bezeichnen kann.

Wie oft sitzen der Held und ich einfach nur da – nicht nur während der Nachrichten, sondern einfach so, und einer von uns sagt, wie mitten aus dem Nichts: „Haben wir es nicht gut?“ Dann muss ich lächeln. Ja, wir haben es gut. Wenn wir einfach nur auf dem Sofa sitzen und lesen. Wenn wir es uns leisten können, im Restaurant zu essen. Aber auch, wenn wir uns darüber ärgern, dass unser Auto in die Werkstatt muss, oder dass wir GEZ-Gebühren zahlen müssen, oder dass die Preise für Lego wirklich unverschämt hoch sind: Wir haben es gut, dass wir uns über so etwas ärgern können. Das heißt nämlich, dass wir uns keine Sorgen über lebenswichtige Grundlagen machen müssen. Der Gedanke kann viele Probleme relativieren (sofern man ihn nicht versteht als „Ich darf mich nicht mehr ärgern, weil meine Probleme so irrelevant sind“ – Probleme sind Probleme, und Ärger ist Ärger, ist eben so).

Aber: Je dankbarer ich bin, desto größer wird auch mein schlechtes Gewissen. Es bereitet mir tatsächliche und körperliche Schmerzen, Bilder von überfüllten Flüchtlingsbooten zu sehen. Wie gern würde ich etwas tun? Und wie sehr würde ich mir wünschen, dass alle aus ihrem Fenster schauen und sagen könnten „Haben wir es nicht gut?“ Es macht mich traurig, sehen zu müssen, wie Menschen andere Menschen töten; wie Deutsche wieder den Rattenfängern hinterherlaufen und für sämtliche Argumente unzulänglich sind. Aber was ich tun kann, weiß ich leider nicht.

Ich bin dankbar, dass es uns so gut geht. Aber ich würde mir so sehr wünschen, dass auch alle anderen Menschen auf dieser Welt dies von sich behaupten können.

Nachwort: Eure Texte zur Dankbarkeitsreihe werden hier im Zwei-Wochen-Rhythmus veröffentlicht.

Little B. ist dankbar

Heute geht es weiter mit Little B. Sie bloggt auf ihrem Blog Little B. in HH über ihr privates Leben mit dem mini-monsieur. Die beiden haben schon viel zusammen durchgemacht und sie berührt mich oft sehr mit ihren Texten. Schaut mal vorbei!

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Es gibt ja so eine bekloppte Diskussion übers Danke-Sagen bei Kindern: Soll man Kindern es “beibringen” oder sollen sie es irgendwie* selbst lernen? Die Gegner sagen, dass Danke-Sagen Unterwürfigkeit fördern würde. Ich finde, dass es eine Frage des Respekts ist. Mit einem “Danke” erkenne ich an, dass mein Gegenüber etwas für mich – ob selbstverständlich oder nicht – geleistet hat. Für mich ist Dankbarkeit auch eine Art Synonym für Wertschätzung. Man kann das Wort natürlich auch inflationär benutzen – die Dosis macht bekanntlich das Gift.

Wer meinen Blog kennt, könnte denken, dass ich nicht viel zu lachen habe (zumindest hatte besonders im letzten Jahr). Aber das ist nicht so. Ich weiß, dass es mir eigentlich gut geht und dafür bin ich auch dankbar. Irgendwas ist immer, das dann doch positiv ist. Und um dieses Gefühl noch einmal zu verstärken, hatte ich im vergangenen Jahr einen nicht-öffentlichen Dankbar-Post laufen. Jeden Tag habe ich was aufgeschrieben, wofür ich an dem Tag dankbar war. (Andere nennen es Glücksglas oder sonstwie.) Das werde ich auch in diesem Jahr machen.

Und auch wenn ich gerade 2014 ein paar Dinge erlebt habe, die alles andere als positiv waren mich gefordert haben, so habe ich doch oft das Gefühl, dass ich im Wolkenkuckucksheim wohne und sehr behütet aufgewachsen bin. Was ist mir denn schon wirklich Schlimmes bislang passiert?

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Wie oft kreisen wir uns um Kleinigkeiten, von denen wir meinen, dass sie uns unglücklich machen? Wie oft vergessen wir das große Ganze, in dem wir uns befinden? Wir haben nur dieses eine Leben. Allein dafür sollten wir dankbar sein. Es gibt kein “Reset”. Welchen Gefallen tun wir uns also, uns an Dingen aufzureiben, die im Moment des Aufregens schon gewesen sind, anstatt für die Erfahrung und die Erkenntnis, die sie uns lehren, dankbar zu sein?!

So wie man viel mehr für nicht-materielle Dinge dankbar sein sollte, finde ich. Das ist auch eigentlich viel einfacher und ehrlicher als sich brav für irgendwelche Dingse zu bedanken.

Für mich ist besonders Zeit unbezahlbar:
Zeit, die sich jemand für mich nimmt, um da zu sein.
Zeit, die mir jemand schenkt, indem er mir etwas abnimmt.
Zeit, die ich frei nutzen kann für Dinge, die mir wichtig sind.

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Und Freundschaft!

Gute Freundschaften sind nichts Selbstverständliches und einfach unbezahlbar. Und für mich sind gute Freundschaften auch so etwas wie Wahlverwandtschaft. Nicht unbedingt ein Familienersatz, aber eine wichtige Familienergänzung (sollte der mini-monsieur jemals getauft werden, würde ich mich für Freunde als Paten entscheiden). Meine langjährigste Freundin wird vom mini-monsieur auch Tante genannt.Gute Freundschaften sind nichts Selbstverständliches und einfach unbezahlbar. Und für mich sind gute Freundschaften auch so etwas wie Wahlverwandtschaft. Nicht unbedingt ein Familienersatz, aber eine wichtige Familienergänzung (sollte der mini-monsieur jemals getauft werden, würde ich mich für Freunde als Paten entscheiden). Meine langjährigste Freundin wird vom mini-monsieur auch Tante genannt.

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Und als ich kurz vor Silvester 2014 einen sehr berührenden Text zum Thema Dankbarkeit las, musste ich einfach den Herzmenschen meines Lebens “Danke” sagen und schrieb am Silvester-Abend noch vor Mitternacht folgenden Text:

“Nach hoffentlich tollen Weihnachten wünsche ich einen guten Rutsch und tollen Start ins neue Jahr.
Danke, dass Du da bist und 2014 zu einem tollen Jahr gemacht hast.”

Letzlich war es so: 2014 war ein tolles Jahr. Denn es war ein Jahr der Freundschaft, bedingungsloser Freundschaft, für die ich unendlich dankbar bin.

* Ich frage mich ja ein bisschen wie: Denn m.E.n. ist das nichts, was man sich durch Abgucken und Kopieren wirklich “fehlerfrei” lernen kann. Ich weise aufs Danke-Sagen hin, damit der mini-monsieur lernt, wann es angebracht ist.

Nachwort: Eure Texte zur Dankbarkeit werden im Zwei-Wochen-Rhythmus veröffentlicht.

Frauke ist dankbar

Ich bin gerade sehr glücklich und auch ein bisschen nervös, denn es geht jetzt wirklich los. Ich hatte schon eine ganze Weile die Idee dazu, dann kamen die ersten Anschreiben und so hat sich alles entwickelt. Wir sind dankbar – ihr seid dankbar – ich bin dankbar.

Es geht heute mit der lieben Frauke los, die auf ihrem Blog Fräuleins wunderbare Welt viel über ihre alltäglichen Erlebnisse berichtet, aber auch ernste Themen anspricht und vor allem offen und ehrlich über ihre Depression schreibt. Besonders schön finde ich ihre neue Reihe Chillen mit Mina.
Obwohl ich Frauke (noch) nicht persönlich kenne, würde ich sie als sehr offenen, ehrlichen und loyalen Menschen einschätzen. Ich glaube, dass sie eine liebe und hilfsbereite Person ist, die aber sehr wohl weiß, wie sie sich durchsetzen kann und auch bestimmt durchs Leben geht.
Liebe Frauke – danke, dass du dir die Zeit genommen hast, einen so persönlichen Text zu schreiben und ihn meiner Dankbarkeitsreihe zur Verfügung zu stellen! Ich hoffe, dass wir uns bald auch persönlich kennenlernen!

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„Mein Text zur Reihe „Dankbarkeit“ ist ein Jahresrückblick auf 2014. Im letzten Jahr hat sich bei mir sehr viel getan. Vieles hat sich verändert, sowohl ich selbst, als auch in meinem unmittelbaren Umfeld. Anfang 2014 bin ich für 5 Wochen zur Reha gefahren, um mich mit mir und meiner (damals: mittelschweren bis schweren) Depression auseinander zu setzen. Auf diese 5 Wochen hatte ich mich lange sehr gefreut, weil sie ein Hoffnungsschimmer am Horizont waren. Ich wollte endlich einen Schritt nach vorn, in Richtung „normalem Alltag“ tun. Weg von der depressiven Krankheit. Die Reha hat mich ein Stück weiter gebracht. Sie hat mir zum einen gezeigt, dass es mir im Vergleich zu anderen Menschen gar nicht „so schlecht“ geht. Einfach, weil ich in vielen Punkten der Selbstauseinandersetzung weiter war, als es andere Patienten waren, und auch, weil ich so offen und bewusst mit meiner Krankheit umgehe. Das war mir vorher in der Form nicht bewusst, weil mir die Vergleichsmöglichkeiten fehlten. Klar, die Reha hat meine Krankheit nicht erleichert oder gar geheilt. Aber die Reha hat mir vor Augen geführt, an welchem Punkt ich stehe und was ich in der kommenden Zeit erreichen möchte. Vorher war das konfus in meinem Kopf, ohne Struktur und ohne Ordnung.

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Die Zeit nach der Reha fing sehr positiv an: Mina zog bei mir ein! Die kleine Süße ist ein Mischlingshund von Kreta und sie hat mein Herz im Sturm erobert. Sie erhellt mir meine Tage, egal wie es mir eigentlich geht. Kein anderes Lebewesen schafft es, mich bei Wind und Wetter und Sturm und Hagel mindestens dreimal am Tag vor die Tür zu bekommen! Mina hat mein Leben einmal ordentlich auf den Kopf gestellt, im positivsten Sinne! Und: sie ist mein Lehrmeister in Sachen „Chillen“ und „Nix-Tun“! Niemand kann mir das so herrlich entspannt beibringen, wie sie :-)

Gerade in der Wiedereingliederungszeit im Berufsleben war Mina mir eine große Stütze. Sie hat mir gezeigt, dass es noch ein Leben neben der Arbeit gibt und wehe, wenn ich beim Spielen mit ihr nicht mit meinen Gedanken bei ihr war! Dann hat sie aber so was von schnell aufgehört zu spielen! Sie ist ein Konzentrations- und Achtsamkeitscoach der allerfeinsten Sorte!

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Klar, die Zeit nach der Reha und der Wiedereingliederung war nicht nur zuckerschlecken. Es gab Höhen und auch tiefe Tiefen. Das ganze Jahr über habe ich mich viel mit mir und meinem Leben auseinander gesetzt. Mit meinen Verhaltensweisen und meinen Emotionsmustern. Mit meinen Stärken, aber auch sehr mit meinen Schwächen. 2014 war das Jahr für mich, in dem ich am meisten über mich selbst gelernt habe. Ich konnte (dank der super Anleitung meiner Therapeutin) viel entdecken und ändern. as hinterlässt Spuren. Ich bin heute, während ich dies schreibe, bei weitem nicht mehr der Mensch, der ich Anfang 2014 noch war.

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Vieles ist mir im letzten Jahr klarer geworden. Während viele andere Jahre achtlos und stressig an mir vorbei gerauscht sind, hat das letzte Jahr viel mehr Substanz gehabt. Rückblickend ist so viel geschehen und ich habe so viel erlebt, dass 2014 gefühlt sehr lang war.

Ein paar Freundschaften sind auf der Strecke geblieben. Das fiel mir nicht immer leicht, aber ich habe gelernt, es zu akzeptieren. Es gab schöne Zeiten mit diesen Menschen. Aber irgendwann kam der Punkt, wo unsere Leben nicht mehr überein passten und wir in verschiedene Richtung blickten. In so verschiedene, dass wir uns nicht mehr gut taten. Umso schöner ist es, dass ich viele neue Menschen getroffen und kennen gelernt habe. In keinem anderen Jahr sind so viele mir bis dahin unbekannte Menschen in mein Leben getreten. Durch all diese neuen Bekanntschaften, aus denen zum Teil auch bereits Freundschaften wurden, hat sich mein Horizont und mein Blickfeld um einiges erweitert. Neue Kontakte bringen neue Inspirationen bringen neue Entdeckungen bringen neue Erlebnisse.

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Doch auch meine „alten“ Freunde haben mich begleitet. In meinem engen Freundeskreis hat sich viel getan. Wir haben uns gemeinsam weiter entwickelt, jeder für sich und doch irgendwie in die gleiche positive Richtung. Das geht nur mit Menschen, die einem so nahe stehen und so am Herzen liegen, dass man sich gegenseitig in jeder Lebensphase respektiert und unterstützt. Jeder in dem Rahmen, der ihm gerade möglich ist. Das ist ein sehr schönes Gefühl.

Auch wenn ich kräftemäßig zu nur wenig aktiven sozialen Kontakten im „realen“ Leben fähig war, so hatte ich gefühlt einen sehr regen Austausch mit vielen Menschen. Die Arbeit an mir selbst und in mir selbst, die hat viel Energie gekostet. Häufig war ich zu nix mehr zu gebrauchen und konnte nur noch mit Mina daheim auf dem Sofa liegen und ganz viel schlafen. (Wer mich von früher, also vor der Krankheit kennt, weiß, dass das für mich totales Neuland ist. Früher war mein Motto: „Schlafen kann ich, wenn ich tot bin!“.) Ich hatte manchmal das Gefühl, dass ich mich sehr abkapsel und zurück ziehe, von allem und jedem. Doch das war nur phasenweise der Fall. Immer dann, wenn meine Kräfte aufgebraucht waren durch meine ganze Reflektion und Änderung von Verhaltensmustern, die mich sonst krank gemacht haben. Es gab genauso Zeiten in denen ich merkte, dass die ganze kräftezehrende Arbeit ihre Früchte trägt. Das Ablegen von krankmachenden Verhaltensformen tat mir gut und gab mir Kraft, weil ich durch neue Verhaltensmuster viel gesünder durchs Leben gehen konnte und auch immer noch kann.

Das ein oder andere Tief hat sich natürlich trotzdem in mein 2014 eingeschlichen. Damit hätte ich rechnen können, hab ich aber nicht. Hinterher ist man immer schlauer und kein Arzt hatte mich darauf vorbereitet. Für mich kam das erste richtig Tief nach der Wiedereingliederung völlig überraschend. Dass ein Tief nochmal so tief sein könnte, damit hatte ich nicht gerechnet. Doch es hat mir auch gezeigt, dass es zwar Tiefs in meinem Leben gibt und auch noch eine ganze Weile geben wird, aber dass diese Tiefs auch jedes Mal (!) wieder vorbei gehen!

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Ihr seht, mein 2014 war auf der einen Seite sehr turbulent und unruhig. Auf der anderen Seite aber auch sehr ruhig und in mich gekehrt.

Und hier schließe ich den Bogen zum eigentlichen Thema „Dankbarkeit“:

Ich bin nicht dankbar, dass ich eine Depression bekommen habe. Aber ich bin sehr dankbar für die Richtung, in die mich meine Krankheit geschubst hat. Im letzten Jahr habe ich dank meiner Krankheit viel erlebt und geändert, viele neue Menschen in mein Leben gelassen und viele Momente sehr bewusst wahrgenommen. Ohne meine Krankheit wäre mein letztes Jahr komplett anders verlaufen. Wie es gewesen wäre, das weiß ich nicht. Aber ich bin dankbar, dass ich das Jahr so erlebt habe, wie ich es erlebt habe!

Neugierig schau ich jetzt nach vorn und warte mal gespannt, was 2015 für mich bereit hält :-)“

Nachwort: Alle zwei Wochen gibt es einen neuen Text zum Thema Dankbarkeit zu lesen.

Die Dankbarkeitsreihe beginnt

Normalerweise fühle ich mich in der frauenunfreundlichen Woche immer sehr mies. Dann verkrieche ich mich nach Möglichkeit im Bett und fühle mich wirklich elendig. Die Schmerzen sind unerträglich und das Blut raubt mir die letzten Kräfte. Diese Woche lag ich in vielen verschiedenen Betten, aber war niemals so richtig froh.

Letzten Freitag fühlte ich mich schon sehr unwohl, allerdings dachte ich, dass das vorbei geht. Das Wochenende war dann langweilig und meine Sorgen steigerten sich. So suchte ich am Sonntagmorgen das Gespräch, fühlte mich vielleicht etwas beruhigt, war aber noch immer nicht glücklich.

Montag ging es dann los. Und ich war einfach nur unglücklich. Ich kann es gar nicht erklären, aber ich saß da und war – unglücklich.
Das kleine Mädchen war wirklich sehr süß, aber auch wahnsinnig anstrengend. Irre ich mich, oder ist was in der Erziehung schief gelaufen, wenn das Kind macht, was es will (O-Ton: „Ich weiß, dass ich ihr sagen müsste, dass sie das lassen soll. Aber so ist es einfacher.“). Da wird dann um sich getreten und geschlagen. Anstatt mit dem Spielzeug zu spielen, wurde es einfach nur durch die Gegend geworfen. Das Kind konnte nicht spielen, sondern war zerstörungswütig. Auch das Essen wurde nicht gegessen sondern umher geworfen. Die Eltern sind gesprungen.
Leider wurde mir vorher nicht gesagt, dass ein Elternteil von Zuhause arbeitet. Selbst wenn ich hätte etwas wertvolle Erziehungsarbeit leisten wollen, es hätte nichts gebracht: Das Kind wusste natürlich, dass Mama daheim ist und hat geschrien. Es war ein ständiger Wettlauf zum Büro, ich sie zurück getragen. So ging es hin und her, vor und zurück. Ich sage nur: Hallo Rücken. Außerdem lasse ich mir doch eher ungern in meine Brust treten.
Also suchte ich wieder das Gespräch. Aber die andere Seite rückte einfach nicht mit der Sprache raus. So war die Stimmung Montagnachmittag bis -abend eher eisig. Ich wusste nicht, was nun war.

Dienstagmorgen eskalierte es dann. Sie haute alles raus, nicht alles nett, aber das möchte ich hier nicht erzählen. Ich recherchierte im Internet, wo ich hinkönnte. Da ich dort nicht länger bleiben wollte, nahm ich das erstbeste Angebot an. Als ich ihr davon erzählte, hatte sie mir – schwups – ein Busticket für 2 Stunden später gebucht. Ich habe ja wirklich schon einiges mitgemacht, aber so schnell habe ich noch nie gepackt. Ich war hinterher schon durch und noch nicht mal auf der Reise. Und dann realisierte ich auch, dass ich Angst hatte: Ich wusste nicht, wohin ich fuhr und wie ich dort hinkommen würde, denn ich musste umsteigen. Mir wurde gesagt, dass ich wahrscheinlich eine Nacht in Brisbane warten müsse, daran könne sie jetzt auch nichts ändern.
10:15 saß ich in einem Bus, der mich nach Brisbane bringen sollte, keine Ahnung wie lange die Fahrt dauern sollte. Als ich den Busfahrer fragte, ob er mir sagen könne, wann der Bus in Brisbane abfährt und ob er den anrufen könnte, weil ich den wohl nur knapp verpassen würde, wurde mir klar: Das Bussystem in Australien existiert nicht. Er konnte es mir nicht sagen, was er aber sagte, war, dass ich noch mal umsteigen müsste vorher – auf dem Weg nach Brisbane. Herrlich, oder? Irgendwie lief das alles nur so an mir vorbei. Mein Koffer wurde umgeladen, mein Longboard mir weggerissen und dasselbe sollte mit meinem Rucksack passieren. Nicht besonders bestimmt, aber immerhin antwortete ich daraufhin mit „nein“ und stieg dann einfach in den Bus.
Mir wurde dann noch mal gesagt, dass der Bus wohl doch etwas eher ankommen würde und ich deshalb genug Zeit zum umsteigen haben müsste. Das mit dem eher ankommen war wohl richtig, die Zeit allerdings war trotzdem knapp. Denn ich kam an und es standen einfach viele Busse da. Also rein ins Gebäude und nachgefragt. Dort bekam ich als Antwort, dass der Bus in 2 Minuten abfahren würde – jetzt aber schnell wieder raus und dann standen mir da natürlich noch Leute im Weg. Überhaupt kein Problem mit Koffer und Longboard.
Am Bus angekommen sagt der Busfahrer mir, dass sie eigentlich schon vor 20 Minuten losgefahren sein sollten – ihr erinnert euch an das nicht vorhandene Bussystem, oder? Außerdem musste ich fast betteln, dass sie mich mitnehmen würden. Ich stand nicht auf der Liste und auf meinem Zettel stand der nächste Tag. Cool! Ich erklärte dem Busfahrer, dass ich unbedingt mit müsste und mir gesagt würde, wenn ich den schaffen würde, könnte ich den nehmen. Das konnte ich zum Glück klären. Leicht geschockt war ich dann aber, als ich erfuhr, dass ich noch mal sechs Stunden unterwegs sein würde. Das waren ja erst fünf vorher. Zum Glück hatte der Bus W-Lan, dachte ich. Aber es funkionierte nicht. So saß ich also in einem Bus voller feierwütiger junger Leute, einfach nur extrem enttäuscht, traurig, total kaputt und wollte einfach nur, dass das W-Lan funktionierte. Als gab ich nicht auf und war erfolgreich nach einiger Zeit. So waren die sechs Stunden Fahrt halbwegs erträglich und ich befand mich auf dem Weg nach Hervey Bay.
Der Bus war eher da und ich sprintete raus. Zum Glück nahm mich ein Shuttle-Service mit und brachte mich zu meinem Zielort: einem Hostel. Immer noch mit Koffer und Longboard unterwegs verfrachtete ich alles auf das Gelände. Angekommen war die Enttäuschung groß. Aber wo sollte ich hin. Immerhin wurde mir ein Handtuch geliehen, denn als AuPair war ich jetzt nicht auf das Leben im Hostel eingestellt. Auch wenn ich nicht scharf drauf war, ich musste ja dort duschen. Danach fiel ich wie ein Stein ins Bett.

Mittwochmorgen war ich sehr zeitig wach, also auf zum Strand. Immerhin das Meer war nah. Und ich musste zum Wasser! Zack – waren die Blasen entzündet, die sich schon die ganze Zeit an meinen Zehen ausbreiteten. Zurück gehumpelt. Dann geputzt. Denn der Deal war: putzen für schlafen. Ich schwitzte und tropfte was vor mich her.
Am Nachmittag wurde mir dann nahegelegt, dass ich doch für die nächste Nacht lieber bezahlen sollte, weil ich nicht schnell genug geputzt hatte. Unglaublich und ohne Worte. Und ich möchte euch nicht erzählen, WIE die dort geputzt haben. Zum Glück hatte ich schon etwas besseres gefunden und konnte ihr das mitteilen, trotzdem musste ich noch eine Nacht bleiben. Ich musste ihr versprechen, am nächsten Tag noch schneller zu putzen. Natürlich.
Wie kam ich denn jetzt zum neuen Ziel? Flug? Bus?
Ich wollte gerade recherchieren, da lernte ich ein Pärchen kennen, die am nächsten Tag nach Byron Bay mit dem Auto fahren wollten. Das war nicht ganz mein Ziel, sollte mich aber ein ganzes Stück voran bringen. Das Problem war nur, dass sie noch nach Fraser Island wollten vorher. Ich zähle jetzt besser nicht auf, welche Möglichkeiten ich alle durch gegangen bin.

Donnerstag putzte ich mir dann auf jeden Fall noch mal die Seele aus dem Leib, leider immer noch nicht schnell genug. Danach ging es noch einmal zum Strand, aber nur oben im Pavillon sitzen. Achtung Zehen und so. Ich packte mal wieder alles zusammen, saß auf meinem Koffer und drückte den oberen Teil auf den unteren. Ich fragte den Putzkollegen vom Mittwoch, ob er nicht kurz mit anpacken könnte. „Bis wohin?“ kam nur mürrisch zurück. Ich war etwas verwirrt von seiner Stimmung, sagte: eigentlich nur die Treppe runter, aber wenn dir das jetzt zu viel ist, dann ist es ok, dann mache ich das alleine. Als erstes trug ich mein Paket runter und hoffte, dass er sich aufraffen würde. Als ich wiederkam, stand mein Koffer noch da. Vielen Dank, du mürrischer Engländer. Ich trug/schob also alles zur Bushaltestelle und bekam wenigstens dort Hilfe. Eine Mitfahrerin nahm mein Paket und brachte es mit in den Bus. Mit dem Busfahrer musste ich diskutieren, wo ich aussteigen müsste – the middle of nowhere, yo. Ich kaufte also das Ticket und setzte mich. Der Busfahrer war mit meiner Anordnung vom Gepäck nicht zufrieden und machte die Sache selbst. Ob das wirklich besser war, weiß ich nicht. Denn so wie der ältere, aber sehr nette Herr fuhr, rutschte ich in jeder Kurve weg und hatte Mühe alles halten zu können. In einem besonders schwungvollen Moment war es vorbei, alles umgekippt und ich vom Sitz gerutscht. Als ich meinen Sitzplatz zurück erobert hatte, kam der nächste Schwung und mein Koffer war weg. Die Frau gegenüber fing ihn auf und schob ihn zurück. Da reichte es dem Busfahrer. Beim nächsten Halt baute er den eigens kreierten Turm wieder um, aber dann ging es tatsächlich besser. Kurz darauf musste ich aber auch schon aussteigen. Der Busfahrer half mir raus und fragte noch mal nach, ob ich wirklich dort raus wollte, von wem ich noch mal abgeholt werden würde und wann die kommen würden. Wenn irgendwas schief gehen sollte, in einer Stunde käme der nächste Bus.
Also stand ich dort und wartete und es hielten die ersten Autos. Insgesamt hielten 7 Leute an und fragten ob mit mir alles ok wäre. Das wäre aber kein guter Platz für mich zum stehen und ob ich ein Handy dabei hätte. Der letzte gab mir sogar seine Telefonnummer. Ich sollte ihn anrufen, falls ich doch nicht mehr abgeholt werden würde. Er würde mich dann zurück bringen. Zum Glück musste ich das Angebot nicht annehmen, denn in dem Moment kamen die beiden schon. Insgesamt stand ich eine Stunde dort. Das war so nicht eingeplant und so bangte ich während der gesamten Zeit um meinen gebuchten Bus in New South Wales. Wir kamen aus Queensland und fuhren nach New South Wales. Und plötzlich fiel mir ein – Zeitverschiebung. New South Wales ist schon eine Stunde weiter als Queensland. Mit Hilfe vom Bro konnte ich mein Ticket umbuchen und sollte aber trotzdem dort abgesetzt werden. Es war Mitternacht und ich musste fast betteln, dass ich mit auf Motelsuche gehen darf. Und wir waren ungelogen drei Stunden unterwegs bis wir dann auf irgendeinem Campingplatz gelandet sind. Ich durfte auf einer klapprigen Klappcouch schlafen, was ich aber nicht getan habe, denn ich habe bis halb sechs Uhr morgens mit dem Bro telefoniert um einen Notfallplan zu erarbeiten. Und in dem Moment war ich wirklich dankbar für die Familie! Der Bro machte Vorschläge und ergriff dann auch die Initiative. Manchmal braucht man das.

Als ich Freitag dann nach zwei Stunden unruhigen Schlaf aufgewacht bin, ging es zurück nach Byron Bay. Hier hatte mein Bruder mir ein Zimmer in einem Guest House gebucht. Also zog ich mit meinem Koffer und Longboard los und war frohen Mutes, bald in einem Bett zu liegen. Ha! Ich habe es einfach nicht gefunden. Normalerweise finde ich mich schnell und gut in fremden Orten zurecht, aber an diesem Tag war es einfach fürchterlich. So lief ich also stundenlang umher, wurde in viele verschiedene Richtungen geschickt und außerdem immer blöd gefragt, was in meinem Paket war. Aber ans Ziel kam ich nicht. Und dann stand ich da, mitten in der prallen Sonne, am Straßenrand, die hupenden Autos um mich – und ich musste einfach bitterlich weinen. ICH KONNTE NICHT MEHR! Normalerweise gab ich nicht so schnell auf, aber an dem Tag war ich wirklich durch. Es hielt dann ein Auto, ein irisches Pärchen stieg aus und nahm sich meiner an. Ich war so dankbar!
Wir fanden das Guesthouse und es war zu! Als die Verantwortliche kam, wurde mir das Tor aufgeschlossen, ich sollte die Schuhe vor der Tür ausziehen und als ich meinen Koffer die enge Treppe hochtragen wollte, hatte ich hinter mir andauernd die Stimme: Pass auf, komm nicht an die Wand. Aaachtung, Wand, Bild, Geländer …

Den Samstag verbrachte ich dann ruhig. Ich war bei einem Gottesdienst, bummelte durch die Stadt und fand das Meer. Am Abend traf ich dann die Entscheidung, nach Deutschland zurück zu kommen. Der Flug ist gebucht, morgen geht’s los.

Ich war in dieser Woche außerdem für meine seelische und körperliche Stärke dankbar, denn sonst wäre das nicht möglich gewesen.

Nachwort: Beim nächsten Mal geht es mit euren Dankbarkeitsbeiträgen weiter. Trotz meiner Rückreise bleibt die Aktion natürlich bestehen. Und ich freue mich über jeden eurer Artikel.