Nele ist dankbar

Heute ist Nele von Bunt, gestreift und hüpfig zu Gast bei Hauptsache Meer. Nele habe ich beim Bloggen mit Herz-Workshop letztes Jahr im September kennengelernt. Mit ihr habe ich das Zimmer geteilt, viel erzählt und viel gelacht. Es war also ein durchweg positives Kennenlernen und so freue ich mich schon sehr auf unser nächsten Treffen!
Nele ist genau so, wie sie ihr Blogtitel beschreibt: Bunt, gestreift und hüpfig. Herrlich! Auf ihrem Blog erzählt sie von ihrem bunten Alltag, von gestreiften Büchern und hüpfigen Basteleien – schaut mal vorbei!

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Dankbarkeit – dieses Gefühl verspüre ich häufig. Am häufigsten beim Nachrichten schauen oder lesen. Ich sitze dann auf meinem gemütlichen Sofa im geheizten Wohnzimmer, noch satt vom Abendbrot, der allerbeste Ehemann von allen neben mir, und sehe: Boote voller Flüchtlinge treiben auf dem Mittelmeer. In Afrika verhungern Kinder, sterben Menschen an Ebola oder werden Homosexuelle brutal verfolgt. Im Nahen Osten fallen Bomben, und in Frankreich sprengen sich Selbstmordattentäter in die Luft. In den USA gibt es Menschen, die nicht zum Arzt gehen – weil sie es sich nicht leisten können. Und in China kann man die Luft genauso wenig atmen, wie man seine Meinung frei äußern kann.

Wie sollte ich all diese Nachrichten aufnehmen, ohne Dankbarkeit zu verspüren? Jedes Mal denke ich mir dann: Gut, dass wir geboren sind, wo wir geboren sind. Was für ein unfassbares Glück. Das ist ja nun keine Leistung von uns, die meisten von uns haben nichts dafür getan – es ist einfach nur ein riesiger Zufall, und ich bin so dankbar, dass ich in diesem Land geboren bin, in dem niemand um sein Leben fürchten muss. In dem ich meine Meinung sagen kann, wenn es mir passt. In dem ich lieben kann, wen ich möchte. In dem ich zum Arzt gehen kann, wenn ich krank bin. In dem ich zur Schule gehen und mehr oder weniger kostenlos studieren konnte, auch als Mädchen. Ein Land, in dem ich Rechte habe und ein Dach über dem Kopf, immer satt werde und die meisten meiner Probleme als Luxusprobleme bezeichnen kann.

Wie oft sitzen der Held und ich einfach nur da – nicht nur während der Nachrichten, sondern einfach so, und einer von uns sagt, wie mitten aus dem Nichts: „Haben wir es nicht gut?“ Dann muss ich lächeln. Ja, wir haben es gut. Wenn wir einfach nur auf dem Sofa sitzen und lesen. Wenn wir es uns leisten können, im Restaurant zu essen. Aber auch, wenn wir uns darüber ärgern, dass unser Auto in die Werkstatt muss, oder dass wir GEZ-Gebühren zahlen müssen, oder dass die Preise für Lego wirklich unverschämt hoch sind: Wir haben es gut, dass wir uns über so etwas ärgern können. Das heißt nämlich, dass wir uns keine Sorgen über lebenswichtige Grundlagen machen müssen. Der Gedanke kann viele Probleme relativieren (sofern man ihn nicht versteht als „Ich darf mich nicht mehr ärgern, weil meine Probleme so irrelevant sind“ – Probleme sind Probleme, und Ärger ist Ärger, ist eben so).

Aber: Je dankbarer ich bin, desto größer wird auch mein schlechtes Gewissen. Es bereitet mir tatsächliche und körperliche Schmerzen, Bilder von überfüllten Flüchtlingsbooten zu sehen. Wie gern würde ich etwas tun? Und wie sehr würde ich mir wünschen, dass alle aus ihrem Fenster schauen und sagen könnten „Haben wir es nicht gut?“ Es macht mich traurig, sehen zu müssen, wie Menschen andere Menschen töten; wie Deutsche wieder den Rattenfängern hinterherlaufen und für sämtliche Argumente unzulänglich sind. Aber was ich tun kann, weiß ich leider nicht.

Ich bin dankbar, dass es uns so gut geht. Aber ich würde mir so sehr wünschen, dass auch alle anderen Menschen auf dieser Welt dies von sich behaupten können.

Nachwort: Eure Texte zur Dankbarkeitsreihe werden hier im Zwei-Wochen-Rhythmus veröffentlicht.

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